SVZ-Arikel von Karina Hopp
GÜSTROW - Natürlich könnten es mehr sein. Aber immerhin: Als Wiltrud Wendland (70) 1999 die Leitung der Wandergruppe "Ernst Barlach" übernahm, hatte die Sparte des SV Einheit Güstrow gerade einmal sieben Mitglieder - jetzt sind es 19 Männer und Frauen. Alleinstehende Rentner zumeist, "andere hätten ja unter der Woche auch gar nicht die Zeit". Jede Woche, donnerstags und sonnabends im Wechsel, packt die Gruppe Stullen, Trinkflaschen und Obst in ihre Rucksäcke, die Regenjacke für den Notfall dazu und dann geht’s auf Tour. In die Rehberge, in die Heidberge, nach Klueß, zum Steinsitz, nach Mühl Rosin oder Kirch Rosin, an der Nebel entlang, nach Schöninsel oder Rühn. Sonnabends kommen die Wanderer meist auf etwa 16, an Donnerstagen auf acht bis zehn, auch mal zwölf Kilometer. Wird die Strecke zu lang, plant Wiltrud Wendland eine kürzere und längere Route, die sich rüstig fühlen, gehen dann weiter, die anderen kürzen ab. Oder es geht motorisiert zurück. Am Donnerstag machen sich alle auf zur 500. Rentnerwanderung in die Rehberge. Treffpunkt: 9 Uhr auf dem Markt.
Jedes Jahr einmal
große Barlachwanderung
Am 17. April hatte die Wandergruppe ihren 33. Geburtstag. Hieß sie auch damals noch Betriebssportgemeinschaft von der Reichsbahn - die Beweggründe waren doch die gleichen: sich bewegen, in Kontakt kommen mit Gleichgesinnten, die Natur genießen. Richard Kluge und seine Frau Anni Kluge haben die Gruppe gegründet. Als Richard Kluge starb, übernahm Wiltrud Wendland das Zepter. Dass auch sie schon einige Jahre dabei ist, kann die 70-Jährige an den Kilometer-Zahlen ablesen. "Wir sind früher bis 28 Kilometer gewandert, aber das wäre jetzt zu viel." Einmal im Jahr, im Herbst, da stehen nicht an die 20, sondern um die 100 Wanderlustige am Start bereit. Dann laden die Güstrower andere Wandergruppen zu ihrer Barlachwanderung ein. "Jede Gruppe hat eine Traditionswanderung, genauso laufen wir dann bei anderen mit." So hat die Gottlob-Frege-Wanderung in Wismar ihren festen Platz im Jahresplan der Güstrower, genauso wie die Schweriner Seewanderung, die Ludwigsluster Lindenstadtwanderung oder die Erlebniswanderung in Neukloster.
Langeweile komme nicht auf bei den Senioren, "und wenn’s auch mal ein bisschen anstrengend war, am Ende sind wir doch froh, dass wir’s wieder gepackt haben." Gar Lustiges könne erleben, wer zu Fuß unterwegs ist. Wiltrud Wendland erinnert sich an die Begegnung mit einer Rotte Wildschweinen in Langhagen, "damals, als der Zug da noch hielt, die Schweine haben sich genauso erschreckt wie wir". Und manchmal, auch das sei zu erleben, ist plötzlich ein Weg verschwunden, der sonst immer da war. "Aber Wanderer haben ja ihre Karte dabei."
Als schwierigere Hürde empfindet die Wanderleiterin da schon die Automaten der Bahn. Wenn es mit der Gruppe auf Reisen geht, müssen mehrere Tickets hintereinander gezogen werden. "Und der Automat nimmt ja nicht alle Scheine, ich lass die Leute dann schon immer 20 Minuten früher kommen", erklärt sie. Andere Fahrgäste aber würden trotzdem meckern, weil’s so lange dauert. "Aber was können wir dafür." Mehr Wanderschilder wünschten sich überdies die Senioren, "in Güstrow und Umgebung gibt’s ja kaum welche". Noch ein Wunsch? "Gesund bleiben", Wiltrud Wendland jedenfalls verhelfe das Wandern zu ihrer Fitness.










